„Make the Most of It“ – Meine neue Lernphilosophie

Mit einem Koffer voller Vorfreude und Abenteuerlust brach ich am 27. August 2023 nach Manchester auf, ohne im Geringsten zu ahnen, dass dieser Austausch nicht nur meine Englischkenntnisse, sondern auch meine gesamte Lernphilosophie verbessern würde.

Hohe Erwartungen an mich selbst haben mich in der Schule schon immer begleitet. Gute Noten waren für mich persönlich von grosser Bedeutung, Noten über 5 die Messlatte für Zufriedenheit. Alles darunter war furchtbar. Den Druck und Stress, den ich mir selbst machte, war enorm, und die Angst, nicht promoviert zu werden, begleitete mich ständig. Im Frühlingssemester 2023 spitzte sich diese Angst zu, da die Promotion für die Zulassung in den Sprachaustausch entscheidend war. Nach diesem Semester war ich vollkommen erschöpft und freute mich nach gelungener Promotion schliesslich unheimlich auf die Sommerferien und den Sprachaustausch in Manchester, die eine willkommene Pause vom Schulstress versprachen.

Für rund vier Monate, musste ich mir keine Sorgen über meine Noten machen. Ich konnte mich einfach auf das Abenteuer einlassen, die Zeit mit meiner Gastfamilie geniessen, neue Leute kennenlernen. Die Schule wurde für diese Zeit einfach mal zweitrangig. Natürlich hatten wir Aufträge von der KZU, die stellten sich aber als sehr gut einteilbar heraus. Ich war also losgelöst vom alltäglichen Stress und Druck den ich bislang immer an der KZU verspürte. Darüber hinaus haben wir auch ganz normal die Prüfungen an der Partnerschule mitgeschrieben und wurden bewertet, es war jedoch nicht promotionsrelevant. Ich war völlig stressfrei und habe bemerkt, dass meine Lernbereitschaft und Motivation viel höher war. Ohne Druck lerne ich persönlich viel besser. An dieser Stelle möchte ich als Beispiel einen Arbeitsauftrag aus dem Fach Sportwissenschaften zur besseren Erläuterung aufbringen. Nämlich haben wir dort die Funktionsweise der Atmung in einem Video kreativ erklären müssen. Ich hatte das Gefühl, dass ich den Stoff viel bereitwilliger aufnehmen konnte, weil ich nicht in erster Linie eine bevorstehende Prüfung im Hinterkopf hatte, sondern einfach den Inhalt verstehen wollte.

Ausschnitt aus unserem Video über den Atmungsprozess

Meine Erkenntnis ist also, dass meine Einstellung zum Lernen bisher immer total kontraproduktiv war. Den immensen Druck und Stress, den ich in der Zeit vor Manchester immer verspürte, habe ich mir durch das ständige Bestreben nach Bestleistungen selbst verursacht. Das Leitmotiv meiner Austauschschule, „Make the Most of It“, hat mich gelehrt, dass es in Ordnung ist, nicht in jedem Fach überdurchschnittlich zu sein, sondern dass es wichtig ist, mein Bestes zu geben und mich mit genügenden Noten zufrieden zu stellen. Prüfungen sollten nicht als oberstes Ziel gesehen werden, sondern mehr als Herausforderung, bei der ich versuche, mein Bestes zu geben. In dieser Zeit habe ich erstmals wieder Wochenende genossen und Dinge unternommen wie Städtereisen, Fußballmatches, Shopping, gemeinsames „Brunchen“ und vieles mehr. Ich wurde mir bewusst, wie mir das im Schulaltag in der KZU bisher gefehlt hat. Lernpausen, insbesondere am Wochenende, sind so wichtig. Die Schule einfach einmal für einen Moment vergessen und den Moment genießen.

Meine Erkenntnis in Kürze ist also: Leben ist mehr als nur Lernen. Der Aufenthalt in Manchester hat mir gezeigt, dass eine gesunde Balance zwischen Schule und Freizeit die Grundlage für meine persönliche, gesunde Lebensqualität ist. Ich habe gelernt, die Erwartungen an mich zu verringern und mit der positiven Einstellung „Make the Most of It“ an neue Herausforderungen heranzugehen. Der Aufenthalt hat mir ermöglicht, mein eigenes Lernverhalten zu reflektieren und zu überdenken, und ich bin dankbar für diese Erfahrung.

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