Der deutsche Hip-Hop Rapper Audio88 bleibt seinem zynischen, düsteren Musikstil treu. Er schaltet in seinem neuen Album «Schwererer Verlauf», wie der Titel schon verrät, die Stimmung im Vergleich mit dem Vorgängeralbum «Schwerer Verlauf» sogar noch einen Gang runter. Das Release vom Juni 2023 enthält sechs Remixe von Songs aus dem 6 Monate älteren «Schwerer Verlauf» und lediglich zwei neue Veröffentlichungen.
Die Tracks teilen sich einen oft langsamen Flow und entkräftete Beats mit einprägendem Trott, die eine leere und düstere Stimmung schaffen. Die Remixes sind verglichen mit den Originals des Vorgängeralbums energieloser und weniger melodisch, was die Steigerung des Attributs im Albumtitel erklärt. Der Titel trifft das Hörerlebnis wortwörtlich. Es fühlt sich an, vor allem in den ersten Songs, wie ein schweres Laufen. Ein Fuß vor den anderen. Und nochmal. Und nochmal. In «Metronom» gerät man folglich beim Zuhören in ein regelrechtes Kopfnick-Delirium. Dazu gesellt sich Audio88’s Stimme, die gleichzeitig ein «Ich-gebe-keinen-Fick» und etwas Aufrufendes transportiert.
Seine Texte muten auf den ersten Blick zuweilen misanthropisch oder gar pessimistisch an. «Mehr Klicks für den Lipsync-Clip als für das Or’ginal, Ja fickt euch alle mal» oder «Zeig mir dein Neugebornes und ich sag dir, was mich stört». Die Lieder behalten ihren Battlerap-Charakter bei und von andere Rapper über Influencer bis korrupte Politiker treffen zig Personen Punchlines des studierten Literaturwissenschaftlers.
In «Beste Form», einer der neuen Tracks, hält er Abgründe der Online-Welt fest, «Beste Leben, Reaction auf Enthauptungsvideos, der Stream geht sofort weiter, muss kurz Kinder aus der Kita holen». Audio porträtiert unglückliche, erfolglose Menschen, die sich in ihrem Elend irgendwo in der weiten digitalen Welt verlieren. Die andere Neuveröffentlichung «Grunwalski» sticht als erster, jedoch nicht letzter, Song des Albums mit schnelleren Elementen heraus. Musikalisch macht es daher eher den Eindruck eines milden Verlaufs, denn die Tracks werden im Verlauf des Albums melodischer und erschaffen eine bessere Stimmung als zum Anfang. Audio88 wird darüber hinaus in diesem Track textlich schon im Titel mit Anspielung auf den französischen Spielfilm «La Haine» konkreter. Ähnlich in «Lust auf Kampfsport», das textlich sehr direkt sozialkritisch ist und bei dem die Soundeffekte mehr an einen Horrorfilm als einen Rapsong erinnern. «Guck, wie ich mich dreh, ich bin ein Zahnrad im AMG». Auch die christlich pazifistische Haltung geht nieder. «Hältst du die and’re Wange hin, dann brechen sie dir deinen Kiefer».
Auch wenn Audio in Interviews die Hoffnung äußert, dass ihm aufgrund seiner Musik mit der Zeit weniger Misanthropie zugeschrieben wird, kann er den Hass aus seinen Liedern nicht loswerden. Audio88, bei dem die Doppel-8 für Hip-Hop steht und auf Audios zynische, sarkastische Art den rechtsextremen Code entwerten soll, bleibt Audio88.