Schachnovelle Stefan Zweig

 

In meinen Ferien habe ich viel Zeit in Bücher lesen investiert. Neben den Büchern von Patrick Süsskind, Franz Kafka, Dostojewski und George Orwell habe ich ebenfalls das Buch „Schachnovelle“ von Stefan Zweig gelesen, welches für mich das beste Stück von allen gewesen ist.

 

In dieser Novelle geht es um Schach, dachte ich jedenfalls. Bevor ich das Buch anfing zweifelte ich sehr, dass es mir gefallen würde. Als mich meine Mutter schliesslich überzeugen konnte, las ich es und schon nach den ersten Seiten merkte ich, wie ich mich getäuscht habe.

 

Jedoch will ich in diesem Eintrag nicht zu viel spoilern. Mehr will ich aufzeigen, dass es in diesem Buch nicht einfach um Schach geht. Viele, die dieses Buch lasen, sprachen davon, wie es ihr Interesse für Schach stärkte.

Wie dieses Werk die Zeit unter dem Nationalsozialismus aus Sicht der jüdischen Bevölkerung zeigt und autobiografische Elemente vorhanden sind, werde ich im folgenden behandeln.

 

Wichtig ist zu wissen, in welcher Zeit dieses Buch geschrieben wurde.

 

Stefan Zweig war selber jüdischer Abstammung und lebte ab 1934, kurz nach der Machtübernahme der Nazionalsozialisten, in brasilianischem Exil. Diese Entscheidung ergriff Stefan Zweig infolge der Verbote, die seine Werke bekamen.

 

Das Buch wurde zwischen 1941 und 1942 geschrieben, also mitten im zweiten Weltkrieg.

Das Exil in einem Land, dessen Sprache und Kultur nicht verschiedener sein konnte, war der Grund, weshalb Stefan Zweig starke Depressionen erlitt. Er fühlte sich sehr einsam, isoliert und abgetrennt von der Aussenwelt.

 

Diese starke Trauer wurde sehr schön im Buch eingebaut.

Denn so wie Stefan Zweig befand sich der sogannente Dr. B in isolation.

Im Buch wird das in Form von einem Gefängnis dargestellt. Dunkel, ohne Licht. Keine Beschäftigung, keine Ablenkung. Dr. B befand sich zwölf Wochen lang in einem dunklen Raum in Isolationshaft. In diesem dunklen Raum war das einzige, was ihm Unterhaltung bietete, ein von einem Wachmann geklautes Schachbuch. Infolgedessen lernte er hunderte von Schachduellen auswendig und wurde somit ein sehr begabter Schachspieler.

 

Diese Leere und Einsamkeit können sowohl auf den Autoren selber, als auch auf die Verfolgung der jüdischen Bevölkerung gedäutet werden.

 

Vorallem die Art der Bestrafung, keine direkte physische sondern eine, aus der Einsamkeit entstehende, psychische Folter erspürte Zweig in seinem Exil.

 

Sein Schicksal, über das er dem Erzähler berichtet, steht stellvertretend für die Geschichte vieler Opfer der NS-Herrschaft, die noch viel Schlimmeres erdulden mussten: Dr. B. wird von heute auf morgen aus dem Berufsleben gerissen, inhaftiert und brutaler Gehirnwäsche ausgesetzt. Seine Kontakte zur Umwelt sind gekappt, sinnvolle Tätigkeit wird unterbunden er wird ein „Sklave des Nichts“.

 

Ich will jetzt noch auf einen Charakter nahmens Czentovic zu sprechen kommen.

Czentovic war kurzgesagt ein begabter Schachmeister, der auf dieser Schiffsfahrt, auf der die Geschichte handelt, Schachduelle gegen zwei Herausfordernden spielt.

 

Da wir inzwischen wissen, dass Zweig seine Charaktere nicht beliebig wählte, sondern alle einen Hintergrund hatten, stellt sich die Frage, wen Czentovis verkörpern sollte. Ob es Miguel Najdorf war, ein polnischer Großmeister, der nach 1939 in Argentinien lebte, oder der aus Innsbruck stammende Erich Elis- kades (1913–1997), der ebenfalls nach Ausbruch des Weltkriegs in Argentinien blieb, oder ob es sich um eine reine Kunstfigur handelt, wird wohl ein Geheimnis bleiben.

Oder muss man die Inspiration zu Czentovic ganz woanders suchen, nämlich auf der zeitgenössischen politischen Bühne?

 

Denn Czentovic hat viele charakterische Ähnlichkeiten mit Hitler.

 

Beide kommen aus einfachen Verhältnissen, beide müssen den frühen Verlust des Vaters hinnehmen, beide scheitern in der Schule.

Sowohl Czentovic als auch Hitler weisen eine einseitige sonderbare Begabung auf: der eine als zäher Arbeiter im Schachspiel, der andere als Rednertalent.

Bei beiden handelt es sich um Außenseiter, die später Weltkarriere machen.

 „Seine Unbildung war auf allen Gebieten gleich universell“, heißt es von Czentovic, und auch Hitler konnte seine Umgebung eher durch nur eine „Begabung“ zu beeindrucken.

 

Am Ende des Buches treibt Czentovic Dr B. in einem Schachduell, durch psychische Tricks und Trauma aufholen, in den Wahnsinn. Diese Wahnsinnigkeit verbinde ich wieder mit der persönlichen Lage Stefan Zweigs.

 

 

Im grossen und ganzen gefiehl mir das Buch sehr. Ich wird es in Zukunft sicher noch einmal lesen und auf diese gennanten Aspekte acht geben.

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