Wenn Schüler Lehrer werden

Als Gymischüler:in hat man einen klaren Nachteil, während die Lehrlinge unseres Alters bereits Geld verdienen, sitzen wir immernoch in der Schule und müssen die ewigen Vorträge unserer Lehrer über uns ergehen lassen. Dabei verdienen wir nichts.

Leider bin ich zuvor auch eine, der betroffenen Schülerinnen gewesen, die ohne den Zuschuss ihrer Eltern nichts finanzieren konnte. Deshalb machte ich mich auf die Suche nach einer passenden Einnahmequelle für mich.

Nach längerer Recherche im Internet und vielen Gesprächen mit Gleichaltrigen konnte ich mich für eine, der offenstehenden Möglichkeiten entscheiden. Neben Zeitung austeilen, Babysitten und vielem mehr hat für mich das Nachhilfegeben am meisten herausgestochen. Als Alternative eignet der sich dieser Job perfekt, um als Schüler einwenig Geld zu verdienen und hinter die Kulissen der eigenen Lehrer zu blicken.

Seit knapp einem Jahr helfe ich Primar- und Oberstufenschülern und Schülerinnen wöchentlich ihre Hausaufgaben zu meistern und gut durch Prüfungen zu kommen. So leicht wie das auch tönt, ist es aber garnicht.

Die ersten paar Stunden sind immer die schlimmsten. Auch ich hatte anfangs mit vielen Hindernissen zu kämpfen. Als einer eher schüchternen Person fällt mir das Öffnen vor fremden Personen schwer. Nach mehreren Vorstellungsgesprächen hat man aber langsam den Bogen raus und weiss, wie der Hase läuft.

Der erste Kontakt findet über das Telefon statt. Man vereinbart einen Treffpunkt, welcher meistens bei den Arbeitsgebern ist, und eine Zeit, welche für alle passt. Dann folgt auch schon das erste Treffen. Da ist es meiner Meinung nach wichtig, dass man einfach freundlich bleibt. Viele Eltern sind somit schnell überzeugt und man wird eingestellt. Bei der ersten Begegnung kommt man aber nicht nur mit den Eltern, sondern auch dessen Kindern in Kontakt. Da wird geschaut, ob man sich gut versteht und es wird besprochen, wo die Problembereiche des Kindes liegen und wie man diese schnell wieder in den Griff bekommen kann. Bei dieser Probestunde fange ich auch meistens an, mit den Schülern ihren Stoff durchzugehen und schaue, wie lernfähig und motiviert die Kinder sind und ziehe meine Schlüsse, die ich aber lieber für mich behalte.

Zuhause schaue ich dann, dass ich passende Übungen finden kann. Dies kostet mich persönlich zum Teil sehr viel Zeit. Es ist tatsächlich nicht einfach, gute Trainingsaufgaben im Internet zu finden, ohne zahlen zu müssen. Dennoch muss ich gut vorbereitet sein, um überzeugend zu wirken. Das ist der Grund, weshalb ich mir in einem solchen Fall Zeit nehme, um selbst Übungen zu entwerfen. Mit den Aufgaben mache ich mich nach der Schule auf den Weg zur Nachhilfe.

Empfangen werde ich meistens von den Kindern, danach legen wir direkt mit den Aufgaben los. Wenn alles glattläuft, kommen uns die Eltern meistens nicht in die Quere. Es gibt jedoch leider Einzelfälle, wo die Eltern mit Vergnügen zuschauen. Jetzt kann ich auch nachvollziehen, wieso die Lehrer den Besuchstag so verabscheuen. Die ständigen Blicke der Eltern können einem echt auf die Nerven fallen.

Nach der meist erfolgreichen Stunde geht es für mich nach Hause, wobei ich zeitgleich darüber nachdenke, wie ich die Kinder in der nächsten Stunde einen Schritt näher zu guten Noten bringen kann.

Durch diesen Nebenjob lerne selbst ich als Schülerin, was für eine aufwendige Arbeit hinter dem Unterricht steckt.

Ein Kommentar

  1. Gibt es kein Netzwerk für Schüler:innen, die Nachhilfe geben? So was sollte sich doch mit der heutigen Technik leicht bewerkstelligen lassen. Über die SOs könnten sich die verschiedenen Kantis in einem MS Teams vernetzen und dort auch einen Aufgabenpool erstellen/teilen…

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