Das Haar in der Suppe vermeiden

Eine grosse Herausforderung war sicherlich die Begrenzung meines Maturthemas, denn ich habe kulturelle Veränderung erzeugt durch Konflikt als mein Überthema gewählt. Schon früh bemerkte ich dann das dieses Thema riesig war und ich es sowohl geografisch als auch ethnisch und thematisch eingrenzen musste. Ich wollte etwas persönliches untersuchen, weshalb ich mich entschlossen habe den Ukraine-Russland Krieg als Einfluss für die Veränderungen als Beispiel zu nehmen. Einerseits traf ich diese Entscheidung, da ich selbst miterlebt habe wie das Sentiment gegenüber unserem ehemaligen Bruderland zuhause immer negativer und separierter wurde, andererseits wollte ich auch unbedingt meine Recherche durch Interviews vertiefen wofür sich die Familie meiner Schwägerin, welche nach Ausbruch des Krieges in die Schweiz geflüchtet ist, ausgezeichnet eignet. Trotzdem wollte ich aber auch noch einen originellen Aspekt hineinbringen, weshalb ich lange nach verschiedenen Arten von kultureller Veränderung gesucht habe. Dabei ist mir eine Erinnerung wieder in den Sinn gekommen von einer Diskussion, welche ich im Internet gelesen habe, in der über den Ursprung der bekannten slavischen Suppe Borsch gestritten wurde. Für mich war diese feurige Auseinandersetzung extrem bizarr, da es sich um etwas so alltägliches handelte, bis ich die tiefere Bedeutung dahinter verstand, denn es ist nicht nur eine Suppe sondern ein kulturelles Gut, dessen Erfindung aufgrund des Konfliktes natürlich nicht mehr geteilt werden wollte. Als ich danach recherchierte habe ich kaum Quellen zu solch «trivialen» Veränderungen gefunden, wodurch auch mein Bedürfnis nach Originalität abgehakt wurde. Somit konnte ich also mein zuerst riesengrosses Thema auf eine persönliche und originelle Ebene hinunterfiltern und sogar meine präferierte Recherchemethode einbeziehen.

Die Formulierung der Fragen für das Interview ist jedoch die grösste und jetzt noch nicht gemeisterte Herausforderung, denn beim Thema geht es genau um die Unterschiede die man oft gar nicht bemerkt, Kleinlichkeiten die den grösseren Konflikt reflektieren. Deshalb habe ich mich entschieden erst einmal generell ein Gespräch über die Veränderungen in ihrem Leben und Sprachgebrauch zu notieren. Folglich würde ich dann die Gespräche in spezifische Richtungen lenken und Fragen basierend auf ihren vorherigen Aussagen formulieren um somit die unbewussten unterschiede herauszukristallisieren. Dafür habe ich auch ein Klassifikationssystem erarbeitet, welches mir die Einteilung der Veränderungen vereinfacht. Eine weitere Entscheidung war die der Sprache in der das Interview gehalten werden soll. In wichtiger Punkt für mich ist, dass man persönliche Aussagen nie perfekt übersetzen kann, da jedes Wort auch immer eine kulturelle Konnotation hat, die meist nicht mit Worten aus einer anderen Sprache ersetzt werden können. Aus diesem Grund will ich das Interview eigentlich in Deutsch oder Englisch abhalten, welche meine Interviewpartner glücklicherweise beherrschen. Trotzdem kann ich mir auch vorstellen, dass das Wiedergeben ihrer Erfahrungen und Emotionen für sie wohl einfacher in ihrer Muttersprache ist. Deshalb werde ich spontan und über den Verlauf der Recherche hinweg entscheiden müssen und je nach Fall mit meiner Mutter als zweit Meinung versuchen die Resultate sinngemäss auf Englisch oder Deutsch zu übersetzen.

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