Wir befinden uns in Nottingham, England, im Wohnzimmer der Künstlerin Yazmin Lacey. Dort entstanden die ersten Werke, geprägt von Jazz und Soul, unter anderem auch ein Standout Morning Matters, wobei der Klang des Saxophons im Vordergrund steht. Seit 2017 hat die RnB Künstlerin drei EPs erstellt, worauf am 3. März ihr Debut Album Voice Notes rausgebracht wurde. Der Name Voice Notes stammt von den Sprachmemos, die Yazmin in ihrem Telefon aufgespart hatte. Diese dienten als eine Inspiration, was sich in den Lyrics widerspiegelt. Sie bieten introspektive Selbstgespräche, die aus den Aufzeichnungen und Erinnerungen stammen. Nach dem Kompositer Kadish Morris ist Voice Notes «ein Escapist, feelgood Projekt» dass «nahtlos Jazz, Soul und Electronica verschmilzt, ohne die schmiegsame Stimme von Yazmin übermannen».

Lacey benutzt ihre Stimme wie ein zartes Instrument, das sich mit den anderen Musikinstrumenten, vor allem dem Saxophon, perfekt ergänzt. Sie geht nach dem weniger ist mehr Schema. Nie treibt ihre Stimme über das Tempo hinaus, sondern bleibt stehts konstant, aber erlaubt es sich den Flow leicht zu verlangsamen, um ein wenig hinter dem Takt zu bleiben; etwas, das viele versuchen, aber nicht richtig hinbekommen. Die erzeugte Stimmung in ihren Songs würde einen entspannenden Abend verschönern. Ihre Musik fühl sich wie eine heisse Tasse Tee an einem kühlen Herbstabend an, warm und beruhigend, wobei ihre Stimme wie Honig den Tee versüsst. Manchmal ist ihre Stimme weich und zart, mal kräftig, die ihre Musik frisch und erlebnisvoll erscheinen lässt.
Ihre Lieder könnten als tiefgründige Gemälde wirken, die dann zusammen ein ganzes Bild ergeben, in Voice Notes, kleinere Notizen, die Emotionen wecken und für ihr Herz sprechen. Ihre Stimme ist nicht nur ein Instrument, sondern auch ein Wegweiser, der dem Hörer die verschiedenen Themen näher bringt und stets eine Spur von Wärme und Entspannung hinterlässt. Selbstreflexion, Zwischenmenschliche Beziehungen, Liebe und Verlust sind Themen, die tief in ihren persönlichen und teilweise auch universellen Erfahrungen verwurzelt sind.
Die Songs «Eye to Eye» und “Late Night People” beschreiben wie schwierig es sein kann, über seine eigenen Gefühle zu sprechen und zu seinen Fehlern zu stehen. Man fühlt sich bloss gestellt und ist verletzlich gegenüber der Kritik. Es ist wichtig, sich mit dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen und auf Emotionen einzugehen, die eine gewisse Intimität und Wärme ausstrahlen. Nach «Late Night People» werden die ehrlichsten Gefühle tief in der Nacht geteilt, im grössten Teil geht es um Liebe und Verlust einer wichtigen Person. In der stillen Nacht ist man am ehrlichsten und öffnet sich dem Gegenüber am einfachsten, was eine tiefe Verbindung aufbauen kann.
Eng damit verbunden ist der Weg zur Selbstakzeptanz und dem Finden der eigenen Identität. Der Song «Where Did You Go?» beschreibt die Neugier zu wissen woher man kommt und wohin man geht, welche Ziele man im Leben eigentlich vor sich hat und wie man sie erreicht. Yazmin Lacey wird in diesem Album als ein Escaptist bezeichnet, eine Person, die die Realität meidet, indem sie sich in Unterhaltung und Fantasie vertieft. Das ist der Fluchtweg, der einem hilft, unangenehme und unklare Ereignisse, Probleme und Erfahrungen zu vergessen.
Die Begriffe Escapist und eigene Identität stehen im Widerspruch, was mir gefällt. Zusammen mit der entspannenden Musik wird die Thematik entschärft, doch zugleich werden die Erfahrungen durch das Auslösen von Emotionen in den Vordergrund gestellt. Meiner Meinung nach, ist das Album sehr gelungen. Von Yazmin Laceys Fähigkeit mit ihrer Musik Räume in goldene Sonnenuntergänge zu verwandeln, die Texte, die von ihren persönlichen Sprachaufnahmen inspiriert worden sind, bis zum tiefgründigen Sinn jedes der einzelnen Songs. Voice Notes, aufgebaut auf Jazz und Soul, würde Sie an einem ruhigen Abend mit einem Freund, dem Partner oder alleine perfekt begleiten.