When THE DAYlight meets dark sides

Wie ein Sonnenstrahl, der durch dunkle Wolken bricht, erleuchtet die Musik des Albums „The Kids Are Alright“ in hellen und träumerischen Melodien, während die Texte den Schmerz widerspiegeln, der darunter liegt. Die Band „The Day“ überzeugt mit ihrem neusten Album, erschienen im Mai 2024, in vielerlei Hinsicht. Das unter erschwerten Bedingungen während des Lockdowns von den beiden Bandmitgliedern hauptsächlich selbst produzierte Werk wurde unter dem Label «Sinnbus Records» veröffentlicht. Es verbindet die beiden Musikgattungen «Dream Pop» und «Indie Rock».

Bandmitglieder Laura Loethers und Gregor Sonnenberg

Im Gegensatz zu Laura Loethers und Gregor Sonnenbergs Debütalbum „Midnight Parade“, wo sie ihre Begeisterung für Eskapismus und das Eintauchen in fantasievolle neue Welten zeigten, ist „The Kids Are Alright“ nun von einer dunkleren Thematik umgeben. Die im Lockdown erlebte Einsamkeit wird mit ihren verschiedenen Facetten in den Liedertexten verarbeitet. Gleich im ersten Song „98“ denkt die Sängerin an ihre Kindheit zurück und fragt sich, ob sie diese Pandemie je hätte voraussehen können. Laut ihren eigenen Worten erlebte sie die Einsamkeit nicht als “Alleinsein mit sich selbst” sondern als “Isoliertsein von allen andern”. Dieses Gefühl der Handlungsunfähigkeit liess viele existentielle Fragen aufkommen: “Bin ich dort, wo ich sein will? Bin ich glücklich?”, um nur einige zu nennen. Loethers nennt dies treffend “anxiety”. Und so erzählt das Album auch von Perspektiv- und Machtlosigkeit – Gefühle, wie sie viele von uns zu dieser Zeit erlebten.

Durch seine ansteckende Lebendigkeit und seine tiefgehenden Strophen setzt „Nemesis“, der zweite Track von „The Kids Are Alright“, einen unvergesslichen Höhepunkt.

The Day – Nemesis

Wären da nur Gregor Sonnenbergs Klänge der Musik, versetzten sie einen vom ersten Ton an in eine fröhliche und unbeschwerte Stimmung. Es fühlt sich an, als sässe man auf einer grünen Wiese unter blauem Himmel, umgeben von Grashalmen und bunten Blumen, die durch einen sanften Wind gleichsam im Takt mit der Musik mitschwingen. Diese friedliche Atmosphäre wird jedoch durch die Thematik des Liedes kontrastiert, in welcher die Gefühle von Machtlosigkeit unüberwindbar scheinen. Themen wie der Kampf gegen Ungerechtigkeit oder die Gefahr der Selbstüberschätzung, die sich unserer Kontrolle entziehen, werden durch Schlagzeug, Bass und Gitarre geschickt in Szene gesetzt und vom Gesang umrundet. Der Titel «Nemesis» ist eine Anspielung auf die gleichnamige Göttin aus der griechischen Mythologie, die für den gerechten Zorn steht und somit als Rachegöttin gilt. Suchen wir nicht alle nach Gleichgewicht und Sinn, nach dem kleinen funkelnden Licht in der Dunkelheit, als Gegenspieler zu den alltäglichen Bedrohungen?

«The Day» ist mit diesem Album ein eingängig und gefühlvolles Stück Zeitgeschichte gelungen, das für weit mehr als die Phase des Lockdowns steht. Es ist inspirierend und beruhigend zugleich, aufwühlend und fesselnd. Es ist wie eine Autofahrt übers Land im Frühling, mit offenen Fenstern und schweifenden Gedanken…

Hinterlasse einen Kommentar