Shana Cleveland: Manzanita – ein Roadtrip durch den (wilden) Westen

Hardly Art, 7 April 2023

Manzanita, eine Art von immergrünen Sträuchern oder kleinen Bäumen, die im Westen von Nordamerika verbreitet sind.

Ein sehr passender Name für das Album, denn beim Hören des ersten Songs «A Ghost»  wird man direkt in einen Tagtraum gezogen, in dem man auf einem Appaloosa reitend, den wilden Westen durchquert. Die Melodie, wie eine wunderschöne Berglandschaft, ihre Stimme, wie ein Geist der Natur der den Hörer auf seiner Reise begleitet, die rituellen Trommeln im Hintergrund, wie die Zeit, die verstreicht, haben aber auch etwas unwohlbringendes. Denn der Eröffnungstrack beginnt unschuldig, wenn auch melancholisch, geht dann aber schnell in ein ätherisches Dröhnen über, bevor er sich in die aufsteigende Sirene in «Bloom» verwandelt.

Über das ganze Album hinweg, das während der Schwangerschaft und der Geburt ihres ersten Sohnes geschrieben wurde, befasst sie sich mit der «übernatürlichen Liebe» die sie für die Mutterschaft wie auch die West Coast Landschaft empfindet. Sie setzt sich aber sowohl mit den positiven Aspekten, als auch mit den Schwierigkeiten und Problemen der beiden auseinander und lässt das Album wie einen kurvenreichen Roadtrip verlaufen, geprägt von typisch amerikanischem aber mit einer immer anderen Aussicht. Zum warmen und vertrauten Klang von Klavier und gezupfter Akustikgitarre kommen elektronische Synthesizer und verzerrte Samples, die aber unglaublich gut zusammenspielen und eine ungewohnte und nicht klassifizierbare Atmosphäre kreieren. Somit schafft sie einen origineller Beitrag zum Indie Folk Genre, dem sie mich mit diesem Album etwas mehr aufgeschlossen hat.

Shana verleiht einer ansonsten beruhigenden Liedersammlung aber auch eine ausgeprägte Dunkelheit und Melancholie, die mich, zusammen mit den Americana Einflüssen, an einige von Lana Del Reys Alben weniger mainstream Alben erinnert. Die nahtlosen Übergänge zwischen einigen Tracks verleihen dem Album einen noch stärkeren Fluss in den man förmlich so stark hineingezogen wird, dass sobald man einmal angefangen hat das Album zu hören, man erst wieder aus diesem Trancezustand erwacht, wenn der letzte Track vorüber ist.

Mein drittliebster Song auf dem Album: Gold Tower

Mir gefällt besonders der Song «Mayonnaise» der sich meines Erachtens nach, etwas wie «Do Not Seek Absolution» von David Ferguson anhört und im Allgemeineren, mit dem klapprigen Klavier und den sich im Hintergrund ziehenden Tönen, den Melodien der typisch «amerikanischen» Spagetti-Westerns  ähnelt. Daher eignet sich dieser Song spezifisch, im Grunde aber das ganze Album, ausgezeichnet um dazu Red Dead Redemption zu spielen, was ich aus eigener Erfahrung sagen kann.

Es kommt selten vor, dass ich mir ein Album in kurzer Zeit so oft anhören kann wie dieses und obwohl ich dem Genre nie grosse Aufmerksamkeit geschenkt habe, hat Shana Cleveland mich sehr positiv überrascht und meine Horizont weiter geöffnet. Das Album ist ein Must-Listen für jeden der amerikanischen Folk oder ein mystisch-melancholisches Hörerlebnis mag, aber auch für diejenigen die damit normalerweise nichts am Hut haben lohnt es sich den musikalischen Westen durch «Manzanita» einmal zu erkunden.

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