Year of the Moth

Das Album «The Cycles Of Trying To Cope» von Like Moths to Flames, veröffentlicht durch das Label UNFD am 10.5.2024, erfährt nicht zu unrecht einen solch gewaltigen Zuspruch bei den Fans. Es ist von einer ungewohnten Schwere belastet und scheint von der Thematik persönlicher als bisherige Werke. Die konstanten screams, growls und shouts, die stellenweise fast verzweifelt wirken, werden nur selten von clean-vocals unterbrochen. Dennoch gibt es Verschnaufpausen in der Form von «Gone Without a Trace», «Dissociative Being» und «Kintsugi», drei Tracks, die ein wenig wie Felsen in der Brandung für ein wenig Ruhe sorgen zwischen den Stromschnellen akustischer Brutalität. Doch man sollte sich von diesen ruhigeren Passagen nicht täuschen lassen, denn, wenn auch nicht so brutal, sind sie doch von einer tiefen Melancholie erfüllt. Der Titel gibt diesbezüglich schon einen guten Vorgeschmack auf den Inhalt der Texte, denn in den Songs geht es um mentale Probleme, Suizidgedanken, negativen Nihilismus und Verzweiflung. Diese Gefühle werden verarbeitet mit bedrückenden Texten, schweren Riffs und Breakdowns.

Like Moths to Flames

Ein besonders herausstechender Song ist «Kintsugi». Es ist ein ruhigerer und mainstreamtauglicherer Song als die meisten anderen. Zuerst mit leiser, sanfter, dann wieder mit Kraftvoller Stimme, die teilweise mit ein wenig mit vocal fry versehen ist, schafft Roetters ein abwechslungsreiches und vollkommenes metalcore Erlebnis. Und trotz allem darf ein heavy part auch auf diesem Track nicht fehlen. Der Ausdruck kintsugi (japanisch 金継ぎ «Goldverbindung») beschreibt die Kunst, zerbrochene Keramik wieder zusammenzusetzen und fehlende Bruchstücke mit einer Kitt Masse zu ergänzen, in die Pulver Gold oder andere Metalle eingestreut werden. Zu der Bedeutung des Titels hatte der Leadsänger und Gründer der Band Chris Roetter folgendes zu sagen: “When things go wrong, I think we are left to pick up the pieces and forced to choose which piece to leave with. If it’s not possible to leave with everything the way it was before it broke, how do you know what piece to hold onto?”

Dieses Album ist meine Empfehlung für all diejenigen, die gerne etwas melodischeren Metal hören, aber dennoch mehr stimmliche Verzerrung haben wollen, als es zum Beispiel bei Bad Omens der Fall ist. Es würde sich gut eignen, um über eine Lautsprecheranlage aufzudrehen und einfach einmal ein wenig mit dem Leadsänger mitzuschreien. Schreien ist schliesslich eine gute Möglichkeit, viele Arten von Emotionen zu verarbeiten, und unter diesen Umständen kommen auch keine Aussenstehenden zu schaden. Sollte man jedoch keinen Lärm verursachen können oder wollen, kann man es sich auch im Bett über Kopfhörer anhören und das Schreien Roetter alleine überlassen. Durch das schnelle Tempo vieler Songs wäre die perfekte Hörsituation jedoch auf einem Konzert, inmitten der Crowd, gefangen im Strom eines circle pits.

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