Dass in England Geographie schon früh zum Wahlfach wird, sollte wohl nochmals überdacht werden. Vorallem an der Schule, die ich in Manchester während meines Auslandssemesters besucht habe, haben wohl zu wenige dieses Fach beibehalten. Zu oft fand ich mich in der Situation wieder, jemandem zu erklären, dass Schweden und die Schweiz nicht das gleiche Land sind. Von solchen Verwechslungen habe ich bereits einmal gehört, jedoch dachte ich immer, dass dies nur vereinzelt ein paar Amerikanern passiert. Da habe ich mich wohl getäuscht.
Ich erinnere mich, dass gerade an meinem ersten Schultag ein Mädchen auf mich zukam und mich fragte, ob das Leben in Schweden sich sehr von dem in Manchester unterscheide. Nun, das konnte ich nicht direkt beurteilen, da ich ja noch nie in Schweden gelebt hatte. Natürlich war mir klar, dass sie eigendlich die Schweiz meinte. Ich überlegte mir, wie ich darauf antworten könnte, ohne dass ihr erster Eindruck von mir war, dass ich eine Besserwisserin sei. Da ich deswegen etwas lange brauchte, um ihre simple Frage zu beantworten, entschied ich mich einfach dazu, zu ignorieren, dass sie Schweden gesagt hatte und begann mit: „In der Schweiz muss ich keine Schuluniform tragen“, und fuhr weiter so fort. Leider bemerkte sie, dass ich „Switzerland“ anstatt „Sweden“ gesagt hatte. Danach fühlte ich mich plötzlich doch schlecht, ihr nicht einfach kurz erklärt zu haben, dass sie da etwas verwechselte. Von da an beschloss ich bei jeder anderen Person lieber den Klugscheisser zu spielen. Zum Glück war mir das Mädchen nicht böse und später lachten wir über diese erste Begegnung.

Nachdem tatsächlich noch viele weitere Schüler und sogar Lehrer die gleiche Verwechslung machten, schienen meine Erklärungen irgendwann Früchte zu tragen. Auch meine zwei Kolleginnen, die das Auslandssemester an der gleichen Schule absolvierten, waren erleichtert als wir den Titel „Swiss girls“ bekamen und das ein bisschen Verwirrung wegschaffte. Als ein Junge aus unserer Sportklasse dann aber dachte die Schweiz befände sich in Kroatien, wusste ich auch nicht, ob man wirklich von Verbesserung sprechen konnte.
Ausserdem glaubten viele, dass die schweizer Landerssprache Schwedisch war. Ich muss zugeben, es klingt glaubwürdig zu sagen, dass in „Switzerland“ „Swedish“ gesprochen wird. Die Anfangssilben tönen zumindest im gesprochenen Englisch sehr ähnlich. Zudem tat uns der Klang von Schweizerdeutsch auch keinen Gefallen, um zu erklären, dass in unserem Teil der Schweiz Deutsch gesprochen wird. Viele hatten Deutsch früher mal als Fach belegt und waren sich einig, dass unser Gerede nichts mehr mit dieser Sprache zu tun hatte, Dialekt hin oder her. Obendrauf habe ich dieses Chaos in meiner „Formtime“ sogar noch verschlimmert. Die „Formtime“ besucht man jeden Tag als erste Unterrichtsstunde und dort löst man oft Quizze mit seiner „Form“-Klasse. Eines Tages spielten wir ein Kahoot, das „Ikea furniture or cheese“ hiess. Darin ging es darum herauszufinden, ob das präsentierte Wort der Name eines Möbelstücks von Ikea war oder der Name eines Käses. In diesem Quiz hatte ich einen Vorteil, da ich norwegisch sprechen kann und deshalb auch viel von der schwedischen Sprache verstehe. Alle Wörter des Kahoots waren auf schwedisch und als ich all das meiner Klasse erzählte, weil mein Punktestand verdächtig hoch war, konnte ich alle meine früheren Bemühungen in die Tonne schmeissen. Keiner würde je mehr verstehen, dass ich nichts mit Schweden zu tun hatte. Ich muss gestehen, von diesem Punkt an war es mir auch langsam egal und ich war sogar fast dazu verlockt mir einfach eine neue Identität als Schwedin aufzubauen.