… hätten wohl meine Freunde in Manchester gesagt, gäbe es diesen Ausdruck auch im Englischen.
Es fing an, als ich einmal alleine von der Schule in meiner eleganten Uniform nach Hause lief. Plötzlich hörte ich Vogelstimmen, die mir erstens nicht bekannt waren und zweitens nicht wirklich hierher zu gehören schienen, denn sie klangen ähnlich wie Papageienkrächzen. Ich bleib mitten auf dem Gehsteig stehen und schaute mich um. Tatsächlich in den Bäumen oberhalb von mir sass eine Gruppe mittelgrosser, grüner Papageien. Papageien in Manchester?
Am nächsten Morgen als wir dann wieder zusammen in die Schule liefen, fragte ich sogleich die mir unter den Nägeln brennende Frage. Gibt es in Manchester wilde Papageien ? Dabei haben mich mein Host-Bruder und sein Freund nur ausgelacht. Zuerst versuchte ich mich zu verteidigen und erzählte ihnen was ich gesehen und gehört hatte. Sie glaubten mir jedoch trotzdem nicht. Bis ich dann schlussendlich aufgab.
Doch die Vögel verfolgten mich und sie sind uns auch öfters auf dem Schulweg begegnet. Ich habe dann immer, voller Freude meinen Freunden beweisen zu können, dass ich recht habe, in den Himmel gezeigt, wo die Papageien durchflogen. Jedesmal hatten sie aber eine Ausrede parat, warum das immer noch nicht beweist, dass es hier wilde Papageien gibt. Meistens war es «zu bewölkt » um etwas erkennen zu können. Ich wollte mich aber nicht geschlagen geben, so tauchte ich in die Tiefen von Google ein und recherchierte bis ich meine Beweise beisammen hatte.
Was ich herausgefunden habe, war folgendes. Es sind tatsächlich Papageien, genauer Halsbandsittiche psittacula krameri. Sie sind nicht einheimisch und stammen ursprünglich aus Australien. Mit der Zeit haben sich viele wilde Theorien entwickelt, wie diese bunten Vögel sich in Grossbritannien angesiedelt haben. Eine davon besagt, dass die Vögel beim Dreh des 1951 Films ‚African Queen‘ in London freigelassen wurden. Viele Stars sollen ebenfalls einige dieser Vögel freigelassen haben, darunter die Gitarrenlegende Jimi Hendrix und George Michael. Ob es jetzt Stars oder Privatpersonen waren, denen die Papageien ausgebüxt sind oder die sie freigelassen haben, sicher ist, dass sich die Papageien hier seit den 60ern ziemlich wohlfühlen.

Quelle: https://www.animalaid.org.uk/ring-necked-parakeets-should-be-celebrated-not-culled/
Doch sind die bunten Vögel mit ihren rund 12‘000 Brutpaaren eine Gefahr für einheimische Vogelarten? Experten meinen sie konkurrieren nicht stark mit den nativen Arten, denn sie kommen ja meist nur in Grossstädten wie Manchester oder London vor und dort stellen viele Leute, vor allem im Winter, wenn das Futter knapp wird, Futterspender zur Verfügung. Ihre Angewohnheit sehr früh im Jahr, meist schon im Januar, zu nisten, ist ebenfalls beruhigend, da viele in Grossbritannien einheimische Arten erst viel später nisten. So stellen sie auch, was Brutplätze anbelangt, keine grosse Konkurrenz dar.
Ornithologe Jamie Dunning erklärt, dass es zwar einige Meldungen aus Spanien gibt, dass die Kerlchen in Israel gewisse Ernten beschädigt haben, jedoch seien sie wohl kaum eine grosse Gefahr in Grossbritannien. Obwohl die Vögel eine ähnliche ökologische Nische besetzen, was heisst dass sie ähnliche Ressourcen zum Leben benötigen, wie viele einheimische Tierarten, solle man sich keine Sorgen machen und sich einfach über ihre Farbenpracht erfreuen, sollte man sie sichten. Es würde auch gar keinen Sinn machen diese anpassungsfähigen Tiere zu jagen und zu versuchen sie in dem Vereinigten Königreich wieder auszurotten, da sie immer noch als Haustiere gehalten werden und die Wahrscheinlichkeit gross ist, dass mal wieder einige ausbüxen und sich wieder hier ansiedeln.
Ich konnte meinen Freunden nun endlich beweisen, dass ich recht hatte, denn nachdem ich ihnen meine Recherche vorgetragen hatte und ihnen sogar ein eigenhändig gedrehtes Video unter die Nase gerieben habe, konnten sie es schwer leugnen.

Quellen 1: https://www.manchesterworld.uk/news/solving-the-mystery-of-the-manchester-parakeets-3836205