Rezension „Nullzeit“ von Juli Zeh

Der Roman „Nullzeit“ von Juli Zeh ist im August 2012 im btb Verlag erschienen. Das Buch umfasst 256 Seiten und handelt von einem Deutschen, der seine Karriere als Tauchlehrer auf einer spanischen Insel versuchen möchte und auf dem Weg ist, seine innere Ruhe zu finden. Während des Lesens weiss man aber plötzlich nicht mehr, was der Wahrheit entspricht und was bloss gelogen ist und verlässt sich auf das eigene Bauchgefühl.

Der Protagonist Sven Fiedler und seine Partnerin Antje sind nach Lanzarote gezogen, um dort eine Tauchschule zu eröffnen. Hinter Svens Umzug steckt aber viel mehr, denn Sven hasst Deutschland. Als ehemaliger Jurastudent, kritisiert er seine Heimat wegen der wertenden Mentalität, die in Deutschland vorherrscht. Somit fällt er seine Entscheidung schnell und landet im Atlantik, denn in der Unterwasserwelt gibt es nur Frieden, behauptet Sven, ohne zu wissen dass seine zwei neuen Gäste sein ruhiges Leben auf den Kopf stellen werden. Die Schauspielerin Jola und der Schriftsteller Theo buchen das Gesamtpaket mit Vollbetreuung und sämtlichen Tauchstunden, in der Hoffnung, dass Jola die Filmrolle als „Lotte Hass“ ergattern kann. Schnell merkt Sven, dass er sich zur Schauspielerin besonders hingezogen fühlt und landet in einer toxischen Dreiecksbeziehung, denn während Theo und Jola sich ständig Demütigen und gewaltsam miteinander umgehen, funktioniert ihre Beziehung als ob nichts wäre. Gleichzeitig wickelt Jola den naiven Sven mühelos um den Finger, bis er endlich merkt, dass das nur ein Teil von Jolas Plans ist und er nicht mehr so einfach aus der Situation herauskommen wird, wie er es wollen würde.

Der Kern des Buches sind auf jeden Fall die interessanten Erzählperspektiven. Zeh spielt mit dem unzuverlässigen Erzähler, wodurch man unbedingt bis zum Ende dranbleiben will, um herauszufinden, welche der Perspektive schlussendlich der Wahrheit entspricht. Einerseits wird die Geschichte von Svens Erinnerungen, andererseits von Jolas Tagebucheinträgen geprägt. Einige Aussagen stimmen überein, andere widersprechen sich komplett. Dies regt einen an, die Realität zu hinterfragen und nach Hinweisen für die Wirklichkeit zu suchen.

Der Roman ist ausserdem sehr einfach und schnell zu lesen – wenn man ein mal dran ist, kann man beinahe nicht mehr aufhören. Mit den perfekt konstruierten Sätzen und präzisen Beschreibungen der Charaktere, sowie der Orte der Geschehnisse, bildet das Buch eine sehr glatte Basis, um es in einer Sitzung durchlesen zu können.

Der Titel und das Cover des Buches sind meiner Meinung nach auf jeden Fall sehr gelungen. Es wird einem schnell klar, was Nullzeit bedeutet, jedoch erfährt man erst gegen das Ende, was der Titel eigentlich bedeuten soll und sieht ebenfalls die Korrelation zwischen der Abbildung auf der Titelseite und dem Inhalt des Buches.

Ich fand das Buch bis zum Ende hin spannend und kann es Krimi-Lesern nur weiterempfehlen. Es ist zwar nicht das, was man sich unter Krimis vorstellt, dennoch bleibt die Spannungskurve bis zum Schluss sehr hoch. Es ist ein super Buch, um mal einen etwas anderen Geschmack von Krimis zu erhalten!

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