Rezension, der Weltensammler

Was kommt einem bei „der Weltensammler“ in den Sinn? Ein heimtückischer Magier oder ein Astronaut, der von Planet zu Planet reist – das war zumindest meine Vorstellung. Aber auf keinen Fall hätte ich einen reiselustigen britischen Offizier erwartet. 

Ilija Trojanows „Der Weltensammler“ erschien bei FISCHER Taschenbuch-Verlag im März 2020 als Roman mit 475 Seiten. Der Autor reiste viel als Kind, unter anderem, weil er von seiner ursprünglichen Heimat Bulgarien flüchten musste. So erlebte er die Regionen Indien, Afrika und Arabien, welche in den Büchern vorkommen, hautnah. Weitere seiner Bücher wären zum Beispiel „Der überflüssige Mensch“ oder „Macht und Wiederstand“.

Beim Protagonisten der Geschichte handelt es sich um den englischen Entdecker und Offizir Sir Richard Burton, der, zu Beginn noch in seinen jungen 20ern, zuerst Britisch-Indien, danach Arabien und zum Schluss Westafrika bereist und entdeckt. Fleissig lernt er die Gebräuche, Sprachen und Religionen und perfektioniert sein Verhalten, Aussehen und Sprechen in Indien und Arabien so sehr, dass man kann ihn nicht mehr von den Einheimischen unterscheiden kann. Während seiner Zeit in Indien lernt er den treuen Diener Naukaram, den weisen Lehrer Upanitsche und die bezaubernde Geliebte Kundalini kennen, mit denen er viel Zeit verbringt, bis er weiter nach Arabien reist und als Mirza Abdullah die Hadji erleben möchte. Anschliessend meistert er zusammen mit seinem Kompagnon John Speke und Reiseführer Sidi Bombay den Höllenweg von Sansibar bis an den Victoriasee und nach Ujiji.

Während des ganzen Buches erhält man leider nicht einmal einen Einblick in die Gedanken Burtons, was es umso schwieriger macht, ihn richtig einzuschätzen oder seine Absichten zu erfahren. Was man zwischen den Zeilen aber erkennen kann, ist, dass er ein sehr interessierter und disziplinierter Mensch ist, der eine Vorliebe für Neues sowie Details hat. Nirgendwo richtig gebunden, kann er sich frei bewegen, wohin es ihn treibt, was er sehr geniesst.

Das Buch war einerseits aufgrund sehr langer Sätze, vielen Fremdworten und fehlender Spannung eher zäh zu lesen, weshalb ich es manchmal eine Zeit lang beiseite legen musste. Andererseits las ich es aber an manchen Stellen widerum sehr gern und kam in einen derart gutend Lesefluss, dass ich mich für eine Weile nicht mehr davon lösen.

Äusserst beschreibend, konzentiert und manchmal sogar poetisch; so würde ich den Schreibstil Trojanows beschreiben. Eher selten gelingt es, ihm eine action-ähnliche Spannung aufzubauen, aber ich glaube, dass dies weniger das Ziel war. Viel mehr sollte man mitfühlen können, wie es Burton geht – und dazu gehört nun mal nicht immer nur Spannung. Mir gefällt dies, da es einen auch nachdenklich macht und auch im Nachhinein über das Gelesene philosophieren lässt. Ein ähnliches Buch wie dieses habe ich bisher noch nicht gelesen, doch es hat mit positiv überrascht.

Meiner Meinung nach ist dieses Buch perfekt für den Welt- und Kultur-Interesserierten, jemand, der sich gerne mit Religionen und Sprachen auseinandersetzt, ein gebildeter und geduldiger Typ.

Ein vielseitiges Buch, das neue Perspektiven aufzeigt!

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