Die Hochhausspringerin von der Autorin Julia von Lucadou wurde im Jahr 2018 im Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag veröffentlicht. Es ist ihr erster Roman und er umfasst 288 Seiten.
Riva ist eine der bekanntesten und erfolgreichsten Hochhausspringerinnen die es gibt. Doch als sie vom einen auf den anderen Tag entscheidet nicht mehr zu trainieren und den Vertrag mit ihren Investoren bricht, sind ihre Fans und die Akademie, in der sie trainiert, in grosser Sorge. Riva ist eigentlich eine sehr offene, soziale und selbstsichere Persönlichkeit. Sie hat millionen von Fans auf ihren Social Media Plattformen, einen erfolgreichen Fotographen als Freund und ist im Allgemeinen wohl eine der beliebtesten Personen in der ganzen Stadt. Dom Wu, ihr Trainer, engagieren die Organisation PsySolution und diese wiederum beauftragt Hitomi Yoshida, eine Wirtschaftspsychologin, mit dem Auftrag, Riva durch versteckte Kameras in ihrer Wohnung beobachten, herausfinden was passiert ist, sie wieder funktionstüchtig machen und zum Springen bringen. Hitomi ist eine verantwortungsbewusste und fleissige Frau, die sich alles was sie hat selber erarbeitet hat und deswegen alles dafür tun würde, um diesen Auftrag zu erfüllen. Zwei Frauen, die sich eigentlich nicht kennen, und doch auf eine gewisse Weise verbunden sind in dieser futuristischen Stadt.
Die Sprache des Buches ist sehr einfach und leicht zu lesen. Der Schreibstil, den Julia von Lucadou gewählt hat, ist aber auch sehr detailreich und geprägt von präzisen Szenenbeschreibungen. Man kann sich während dem Lesen gut ein Bild im Kopf machen und sich das ganze Buch wie als Film vorstellen. Die Autorin selbst kommt auch aus der Filmbranche. Julia von Lucadou arbeitete als Filmregisseurin und als Fernsehassistentin.
Erzählt wird aus der Ich-Perspektive von der Psychologin Hitomi, die erzählt wie sie im Fall von Riva vorgeht. Sie kommentiert ihr Verhalten und analysiert ihre Gewohnheiten, um ihren Auftrag zu erfüllen. Dadurch wissen wir als Leser auch nicht was mit Riva passiert ist und wie man sie wieder zum Springen bringen könnte. Dies macht das Buch, meiner Meinung nach, sehr spannend. Hitomis erzählweise ist aber auch sehr kühl, fast schon neutral, was darauf zurück zu führen ist, wie die Welt und die Gesellschaft, in der sie lebt, aufgebaut ist. Diese ist so perfektionistisch, dass jeder ohne Fehler in System passen soll.
Auch wenn uns die Welt, die Julia von Lucadou erschafft, zunächst sehr weit hergeholt und futuristisch vorkommt, merkt man während des Lesens immer mehr, wie ähnlich sie eigentlich unserer heutigen Gesellschaft ist. Es geht hierbei um Themen wie Leistungsdruck, Technologie und das Eindringen in die Privatsphäre von anderen Menschen.

Ich fand das Buch sehr spannend und interessant zu lesen. Mir gefiel vorallem die Erzählperspektive aus der Sicht einer Psychologin. Ich finde es ist viel spannender ihre Kommentare zu Rivas Verhalten zu lesen, als wenn nur beschrieben werden würde, was Riva tut.
Ich würde das Buch auf jeden Fall allen empfehlen, die gerne spannende Science-Fiction Bücher lesen. Zudem finde ich, dass es sehr viel zum Nachdenken anregt und man am Ende des Buches auf jeden Fall nochmals gewisse Themen sehr gut reflektieren kann.
Ein sehr gelungener erster Roman!