Rezension “Nullzeit” von Juli Zeh

Der Roman “Nullzeit” von Juli Zeh erschien im Jahr 2012 im btb Verlag. Er umfasst 256 Seiten und handelt von einem deutschen Tauchlehrer auf einer spanischen Atlantik-Insel. Während des lesens stolpert man immer wieder über die Frage was der Wahrheit entspricht und was doch nur gelogen ist.

 

Sven Fiedler hasst Deutschland. Er hasst die Mentalität, welche die Leute dort haben und den Lifestyle. Er entscheidet sich, auf die spanische Insel Lanzarote auszuwandern, um mit seiner Partnerin Antje eine Tauchschule aufzubauen. Unterwasser sei alles friedlicher, meint Sven, weshalb er auch so gerne Taucht. Auf der Insel hat er seinen Ruhen und Frieden. Das dachte er zumindest, bis seine neuen Kunden auftauchten. Ein Ehepaar aus Deutschland, sie ist eine Schauspielerin, er ein Schriftsteller. Eigentlich sind die beiden auf die Insel gekommen, damit sich Jola ihre potenzielle nächste Rolle vorbereiten kann und damit sie ihre “kleinen Beziehungsprobleme” doch noch lösen können, doch schnell fühlt sich Sven stark zu Jola hingezogen, und auch sie zeigt keine Abneigung ihm gegenüber. Es entsteht eine komplizierte Dreieckbziehung, aus der Sven nicht so schnell wieder entfliehen kann, wie ihm lieb wäre. Er bemerkt, dass er die ganze Zeit nur Teil eines mörderischen Spiels gewesen war, mit dem er eigentlich nichts zu tun haben wollte.

Der Roman ist sehr mitreissend geschrieben. Die Sprache ist einfach und die Erzählungen sind nicht zu komplex, und doch schafft Juli Zeh es alles sehr lebendig und detailliert zu beschreiben und die Handlung so präzise wiederzugeben, dass man sich sehr einfach den Film dazu im Kopf schon vorstellen kann.

Auch vom Inhalt her schafft es die Autorin, die Leser bis zur letzte Seite mitzureissen. Die ganze Geschichte ist unglaublich raffiniert aufgebaut, sodass man bis zum Ende nicht weiss, was tatsächlich passiert war und was gelogen ist. Dies erreicht Juli Zeh mit gleich zwei unzuverlässigen Erzählern. Die Geschichte wird einerseits von Svens erzählt, der sich später an die Handlung erinnert, andererseits erfahren wir auch einen Teil der Handlung durch Jolas Tagebucheinträge, der entprechenden Tage. Auch wenn die Grundhandlungen der beiden Erzählungen die gleichen sind, sind die wichtigen Teile der Handlung genau gegensätzlich. Man fragt sich also bis zum Ende, wer nun recht hat und wer lügt. Am Schluss gibt es dann den grossen “Aha-Effekt” und alles macht plötzlich Sinn. Man erkennt immer mehr Zusammenhänge und immer mehr kleine Details, die einen auf die richtige Spur hätten bringen könnten.

Eine Andere Sache, die mehr sehr gefallen hat, sind der Titel und das Buchcover. “Nullzeit” ist ein Begriff aus dem Tauchen, das kann man schnell herausfinden, aber wenn man wissen möchte, was dieser jetzt genau mit dem Buch zu tun hat, ausser dem Tauchen, muss man das Buch bis zum Ende lesen. Es lohnt sich auf jeden Fall auch, nach abgeschlossener Lektüre, sich das Buchcover nocheinmal genau anzuschauen. Dann erkennt man auch viel besser, um was es sich eigentlich handelt und auf was es anspielen möchte.

 

Ich fand das Buch wirklich spannend bis zum Schluss und würde es jedem empfehlen, der mal einen Thriller einer etwas anderen Sorte lesen möchte. Es ist kein Krimi, wie man ihn sich vorstellen würde, denn fast bis zum Ende gab es überhaupt keine Tat, aber trotzdem ist es Juli Zeh gelungen die Spannung bis zum Schluss zu halten. Ein tolles Buch, das einem die Frage nach Wahrheit und Lüge nicht nur einmal stellt!

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