Der Roman «Die Hochhausspringerin» von Julia von Lucadou erschien im Jahr 2018 und wurde vom Hanser Berlin in Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG veröffentlicht. Julia von Lucadou wurde im Jahr 1982 in Heidelberg geboren und ist promovierte Filmwissenschaftlerin. Sie arbeitete als Regieassistentin, Redakteurin beim Fernsehen und als Simulationspatientin. Heute lebt sie in Biel, New York und Köln. «Die Hochhausspringerin» ist ihr erster Roman und hat einen Umfang von 288 Seiten.
Die berühmte Hochausspringerin Riva Karnovsky scheint ein perfektes Leben zu führen. Doch plötzlich weigert sie sich zu trainieren. Sie wirkt beinahe schon leblos. Vorher war sie ein energetischer und sozialer Mensch mit einem freundlichen Lächeln nun verlässt sie kaum noch ihre Wohnung und sitzt die meiste Zeit reglos auf dem Boden ihres Apartments. Millionen ihrer Fans sind besorgt um sie und genauso die Akademie, an welcher sie trainiert, und ihre Mitmenschen. Kameras sind in der Welt dieses Romans allgegenwärtig. Egal wo man hingeht findet man sie, sogar in der eigenen Wohnung. Was Riva nicht weiss, ist dass sie gezielt durch diese Kameras beobachtet wird von Hitomi. Hitomi Yoshida ist eine Wirtschaftspsychologin und arbeitet im Abteil Sportpsychologie. Ihr Auftrag ist es Riva wieder funktionstüchtig zu machen und sie wieder zum Springen zu bringen. Hitomi ist eine ehrgeizige und hartarbeitende junge Frau, welche sich alles in ihrem Leben erkämpfen musste. Zwei junge Frauen in einer weit technologisch fortgeschrittenen Welt, in welcher man versucht die Menschen bis zu ihrem vollen Potenzial zu nutzen.

Der Roman lässt sich einfach und schnell lesen. Die Beschreibungen sind nicht poetisch ausgeschmückt und die Sätze sind einfach und unkompliziert fast schon wie in einem Drehbuch eines Films. Ausserdem ist der Roman aus der Perspektive der Psychologin Hitomi geschrieben. Dies führt dazu, dass der Roman von Anfang an spannend ist, da man nicht in Rivas Kopf hineinsehen kann und sich stark in die Rolle der Psychologin versetzt und versucht herauszufinden, weshalb Riva sich so verhält. Ausserdem wird einem im Laufe des Romans klar, wie ähnlich diese in der Zukunft liegende Welt unserer ist und dass es um weitaus mehr geht als um Rivas plötzliches Aufhören. Es werden wichtige Themen unserer heutigen Gesellschaft angesprochen wie der Leistungsdruck und die immer grösser werdende Invasion unserer Privatsphäre.
Mir gefiel dieser Roman sehr, da er eher kurz ist aber trotzdem viel zum Nachdenken hergibt. Er reflektiert und kritisiert unsere heutige Gesellschaft anhand einer fiktionalen zukünftigen Gesellschaft. Ich empfehle dieses Buch dringend an Leute weiter, welche ihre Lektüren gerne ausführlich reflektieren.