Schach: Plötzlich «cool»?!

Vor ungefähr drei Monaten habe ich angefangen, auf der Online-Plattform chess.com Schach zu spielen. Ich war schnell gefesselt und wollte unbedingt besser werden. Ich schaute mir Lernvideos an, die chess.com zur Verfügung stellt und da ich die Spielregeln und einige Prinzipien an sich bereits kannte, kam ich schnell vorwärts und hatte nach einigen Wochen das Gefühl, ich sei so gut in der Materie, dass ich das Zeug zum Grossmeister hatte. Der Dunning-Kruger-Effekt hatte zugeschlagen. Mittlerweile bin ich wieder auf dem Boden der Realität angekommen und musste mir bereits einige Male zugestehen, dass Schach enorm viel komplizierter ist, als ich mir vorstellen kann und ich vielleicht doch nicht Grossmeister werde. Aber darum soll es gar nicht gehen in diesem Blogeintrag. Sondern es soll darum gehen, wieso Schach in den letzten Jahren so stark an Popularität gewonnen hat.

Eines liegt auf der Hand: Ein Spiel wie Schach ist in unserem Zeitalter, in dem fast jedermann ein Handy besitzt, so zugänglich wie noch nie. Schach ist einfach erlernbar und kann auf dem Handy als spassiger Zeitvertreiber genutzt werden. Chess.com ist das Stichwort. Chess.com ist der weltweit grösste Schachserver. Auf ihm duellieren sich täglich mehrere Millionen Schachbegeisterte. Chess.com ist auf allen Plattformen verfügbar und umfasst alles um das Thema Schach: Man kann gegen echte Personen oder auch Bots spielen, Lektionen nehmen, Puzzles lösen, Artikel über die neuesten Nachrichten in der Schachwelt lesen oder via Twitch die grössten Schachturniere live verfolgen.

Durch chess.com bekam Schach auch eine stetig wachsende Präsenz in den sozialen Medien. Es gab immer mehr Schach-Youtuber und -Streamer, die Schach den Leuten näherbrachten und erklärten. Der erfolgreichste Schach-Influencer ist unbestritten «GothamChess» mit durchschnittlichen Klickzahlen von gut einer halben Million auf seinen Videos. Daneben gibt es beispielsweise Hikaru Nakamura, der nicht nur Grossmeister und einer der augenblicklich besten fünf Schachspieler der Welt ist, sondern auch viel auf Twitch streamt und Youtube-Videos hochlädt. Durch das Streamer-Schachturnier «PogChamps», bei dem einige der bekanntesten Streamer, die sonst nicht viel mit Schach zu tun haben, teilnehmen, wird das Brettspiel auch von Nicht-Schachspielern beworben und kommt somit noch mehr unter die Menschen.

Aufgrund des Cheating-Skandals des Grossmeisters Hans Moke Niemann, war Schach im letzten Halbjahr auch mehrfach in den Schlagzeilen grosser Zeitungen zu sehen und erlangte eine noch nie zuvor so gross dagewesene Medienpräsenz.

Vor einigen Wochen posteten die Fussballer Lione Messi und Cristiano Ronaldo gemeinsam mit der Kleidermarke «Lous Vuitton» auf Instagram ein Bild, auf dem sie Schach spielten. Dies ist für mich weniger ein Auslöser für mehr Popularität, sondern eher eine weitere Folge der wachsenden Beliebtheit.

Ein weiterer Auslöser für die wachsende Popularität war die Netflix-Serie «Queen’s Gambit». Sie führte zu einem rasanten Anstieg der chess.com-Nutzer und schaffte auch einige Vorurteile der meisten Menschen gegenüber Schach ab.

Wie wir sehen, ist es eine Vielzahl an Gründen, die dazu geführt haben, dass Schach auf diesem Beliebtheitsniveau angelangt ist. Ich kam auf Schach durch die Zeitungsberichte über den Skandal um Hans Niemann und habe in den letzten Wochen vor allem durch das Schauen vieler Youtube-Videos einen kleinen Einblick in die Schachwelt bekommen und werde zweifelsohne auch weiterhin auf chess.com regelmässig Schach spielen.

Aidan, 4c

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