Sally Face Rezension

In den Ferien habe ich unter anderem Sally Face, ein indie Point-and-Click-Game gespielt, welches die Geschichte von Sal Fisher erzählt, einem Jungen, der seine Schwester verlor, als er jünger war, und dessen Gesicht bei dem Vorfall schwere Schäden erlitt, weshalb er eine Maske trägt. Sal zieht mit seinem ziemlich abwesenden Vater in die Addison Apartments, von Anfang an ist klar, dass etwas Unheimliches im Gange ist. Im Laufe von sechs Episoden lüftet man die Geheimnisse einiger Bewohner, des Apartments als auch von Sal. Jede Episode taucht tiefer in das verdrehte Leben der Bewohner des Gebäudes ein, obwohl man sich am Ende immer fragt, wie viel davon von Sal falsch interpretiert oder halluziniert wird.

Point-and-Click-Abenteuerspiele brauchen in der Regel zwei Dinge um gut zu sein. Erstens müssen sie eine fesselnde Geschichte erzählen, die einen während der gesamten Laufzeit raten lässt. Zweitens sollten sie trickreiche Rätsel beinhalten, um ihre einfache Spielmechanik zu umgehen und um zu helfen, von der Welt, die man erkundet, fasziniert zu bleiben. Sally Face schafft meiner Meinung nach beides. Die Grafik scheint unpoliert, es lässt glauben, dass alles, nicht ganz richtig aussieht. Oft beinhaltet das Spiel auch kleine Details die erst nach Weiterspielen der Geschichte verständlich werden. Alles scheint genau platziert zu sein, wodurch das Konstrukt des in sechs Episoden geteilten Spiels, umso mehr Sinn ergibt und eine chronologische Reihenfolge schafft. Es lässt den Spieler auch selbst Theorien schöpfen oder gibt Hinweise auf die Ungewissheiten der Geschichte. Zusammen mit dem manchmal gar grotesken Zeichnungsstil gibt es einen dunklen Vibe, der auch von der Geschichte und den Charakteren widergespiegelt wird.

DISCLAIMER: Das ist Ketchup

Was mich aber dazu gebracht hat dieses Spiel zu lieben ist die Geschichte. Das Episodenformat funktioniert unglaublich gut, weil die Geschichte so gerahmt ist, dass Rückblenden und Zeitsprünge sinnvoll sind. Ich liebe verrückte Geschichten, die bis zum Ende scharfe Wendungen nehmen. Das Tempo ist dank einiger komplizierter Rätsel genug lang, aber man hat nie das Gefühl, dass das Spiel zu lange braucht, um zum nächsten Takt zu gelangen. Manchmal machen die Rätsel aber nur halbwegs Sinn und wenn man sie dann löst, ist man ein wenig frustriert. Bei den meisten Objekten, mit denen man interagieren kann, wird eine Eingabeaufforderung angezeigt, wenn man an ihnen vorbeigeht. Einige tun dies jedoch nicht, also muss man in bestimmten Bereichen einfach den A-Knopf spammen, bis man das findet, was man braucht. Das ist wohl der einzige Kritikpunkt an diesem Spiel, aber einer der mich immens gestört hat.

Auch die tiefere Bedeutung hinter Sally Face fesselte mich ans Spiel. Zum Beispiel ist Sal ein Junge, der eine Maske trägt. Durch Traumsequenzen werden uns seine innersten Gedanken und Ängste gezeigt, die sich zumindest für mich alle darum drehen, Menschen auf Distanz zu halten. Er hat Angst jemandem sein wahres ich zu zeigen, weshalb er nicht nur eine Maske trägt, sondern auch seine blauen Haare in Zöpfe steckt, die ihn für einige Charaktere in der Geschichte, wie ein Mädchen aussehen lassen. Ich denke, er versucht sich auf mehr als eine Weise zu verstecken und baut so viele Wände um sich auf, damit er einfach alleine durchs Leben treiben kann, ohne sich Sorgen machen zu müssen, dass jemand herausfindet, wer er wirklich ist.

Dieses Spiel ist in vielerlei Hinsicht großartig, aber es ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Wenn sie aber eine etwas dunklere Geschichte mögen und gerne Rätsel lösen, kann ich es ihnen nur empfehlen.

2 Kommentare

  1. Schön, dass sich immer wieder auch „junge Menschen“ finden, die Point’n’Click-Spiele mögen… Ich mag mich noch erinnern, wie ich auf unserem Amiga 500 Indiana Jones 3 gespielt habe (den Film dazu durfte ich mir allerdings erst Jahre später ansehen…).
    Wo findet man denn dieses Spiel?

    Like

Hinterlasse einen Kommentar