Ich gehe davon aus, dass so ziemlich jeder und jede schon einmal eine Entscheidung bereut hat. Auch wenn es nur für einen kurzen Moment war, war es sicherlich kein schönes Gefühl. Und alle, die wissen, wo ich die letzten 2 Monate war, werden sich vielleicht fragen, ob ich die Entscheidung, 7 Wochen ins Wallis zu gehen, bereue. Vorab möchte ich euch einige schwierige Situationen schildern, die mir am meisten in Erinnerung geblieben sind.
Montag, 22. August. Ich sitze im Auto meiner Gastfamilie und wir machen uns auf den Weg an meine neue Schule. Ich habe mir schon viele Bilder vom Lycée Collège de la Planta angesehen und habe dementsprechend hohe Erwartungen. Als meine Austauschpartnerin und ich vor der Schule aus dem Auto aussteigen, pocht mein Herz immer mehr. Mir wird die Schule gezeigt und ich werde zum Klassenzimmer geführt. „Oh nein, was mache ich hier“, denke ich und fange an, meine Entscheidung zu hinterfragen. „Ich hätte jetzt ganz einfach an der KZU mit meinen Freundinnen sein können, aber nein, ich musste mich ja unbedingt hierfür anmelden. Das kann ja nur schiefgehen“. Ich sehe mich um und bin überrascht, wie anders die Schüler hier aussehen. Genauer möchte ich mich jedoch nicht dazu äussern, da das sonst als beleidigend empfunden werden könnte… Ich setze mich an den mir zugewiesenen Platz und warte, bis der Unterricht beginnt, da ich keine Ahnung habe, wann das ist. Plötzlich setzt sich ein Junge neben mich und fängt an, mit mir zu reden. Ich verstehe kein Wort und sage nur „Oui oui“ und lächle.
Ein weiterer „Was mache ich hier überhaupt“-Moment war, als ich den Lehrplan im Fach Sport erfuhr. Leute, die mich kennen, wissen, dass ich Sport, und insbesondere lange joggen, verabscheue. Und da das Universum keine Verneinung kennt, wird in dieser Schule jährlich der „Course d’endurance“ gemacht. Ein Ausdauerlauf also. Jedes Schuljahr werden 2-3min dazugerechnet und in meinem Jahrgang war es dann ein 25-Minuten-Lauf. „Schlimmer kann es nicht werden“, dachte ich. Einige Zeit später erfuhr ich, dass Mädchen und Jungen zusammen Sport haben. Dann war ich endgültig fertig mit den Nerven. Rückblickend muss ich allerdings sagen, dass die Schüler ungefähr so sportlich waren wie ich und ich sogar als eine der Besten galt.
Und um zur Frage vom Anfang zurückzukehren, ob ich die Entscheidung bereue, gibt es nur eine klare Antwort: nein. Natürlich gab es Ups und Downs, aber trotz allem bin ich daran stark gewachsen. Ich bin ins Wallis gefahren als ein schüchternes Mädchen und bin jetzt wieder hier, offen und dankbar. Ich habe neue Freunde gefunden und wertvolle Erfahrungen gesammelt. Ich habe gelernt, mein Leben hier wertzuschätzen. Und ich hoffe, dass ich das noch lange beibehalten werde.


